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Universität Graz Geisteswissenschaftliche Fakultät Institut für Anglistik Neuigkeiten Finn Markart erhält 2. GEWI-Preis für Masterarbeit
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Montag, 18.05.2026

Finn Markart erhält 2. GEWI-Preis für Masterarbeit

Finn Markart

Finn Markart ©Ulrike Freitag, Uni Graz

Finn Markart erhielt den 2. Preis für seine Masterarbeit "Levelling Up Language Skills: Effects of Communicative Video Games on L2 English Oral Fluency, Motivation, and Learner Perceptions", in der er anhand des Videospiels „Keep Talking and Nobody Explodes“ den Einfluss kommunikativer Videospiele auf die mündliche Englischkompetenz empirisch untersuchte.

Was hat Sie besonders an der Verbindung zwischen Videospielen und dem erlernen einer Fremdsprache interessiert? Gibt es bestimmte Aspekte, die Sie spannend fanden und die Sie in Ihrer Arbeit näher beleuchten wollten?

In gewisser Weise hatte ich schon immer das Gefühl, dass meine Englischkenntnisse maßgeblich durch meinen Medienkonsum in meiner Kindheit geprägt wurden, allen voran durch Videospiele.

In Diskursen über Videospiele wird meiner Meinung nach jedoch oft ein vereinfachtes und teils verzerrtes Bild dargestellt, welches sie generell in ein schlechtes Licht rückt. Aus meiner Perspektive sind sie jedoch ein durchwegs soziales Medium: sie laden ein, uns gegenseitig über Inhalte auszutauschen; selbst wenn wir nur Zuseher sind, fiebern wir mit anderen Spielern mit, ganz egal ob auf der Couch mit Freunden, in Videos oder Livestreams. Darüber hinaus gibt es natürlich auch eine riesige Auswahl an Spielen, die explizit für mehr als eine Person entworfen sind und allein gar nicht spielbar sind. Da im Fremdsprachenerwerb besonders authentische und kommunikative Sprachanwendung zu Erfolgen führen kann, wollte ich untersuchen, ob man durch gezielte Anwendung diese soziale Komponente für Lernerfolge nutzen kann.

Mir war bereits aus mehreren Studien bekannt, dass der Gebrauch von Videospielen im Sprachunterricht aus der Sicht der Lernenden besonders wirksam ist, jedoch stützen sich viele dieser Ergebnisse rein auf subjektive Einschätzungen, anstatt diese mit objektiven Messwerten anzureichern, weshalb ich den Fokus auf beobachtbare, quantifizierbare Fortschritte legte.

Außerdem war mir besonders wichtig, die Fortschritte durch die Videospiele, so gut wie möglich, mit Fortschritten aus „regulären“ Lernumgebungen zu vergleichen, weshalb ich mich dazu entschied, parallel zur Experimentalgruppe Teilnehmer:innen eines englischen Sprachkurses zu beobachten.

Was hat Sie bei den Ergebnissen Ihrer Studie am meisten überrascht? Gibt es etwas, das Sie vorher nicht erwartet hätten?

Auch wenn ich schon während der Konzeption vermutete, dass kooperative Videospiele ein immenses Potential für das Erlernen einer Fremdsprache haben könnten, war ich dennoch etwas davon überrascht, wie stark die Auswirkung in Bezug auf die Sprachflüssigkeit ausfiel. Genauer gesagt, bezüglich der objektiven Messungen zur Sprechgeschwindigkeit und Häufigkeit von Sprechpausen konnte ich beobachten, dass Videospiele nicht nur gleich wirksam, sondern tatsächlich wirksamer als traditionelle Lernumgebungen sind.

Die Ergebnisse waren dazu auch besonders aufschlussreich in Bezug auf Stärken und Schwächen beider Lernumgebungen. So profitierte die Videospiel-Gruppe zwar besonders von einem verbesserten Sprachfluss, während die Teilnehmer:innen des mündlichen Sprachkurses von einer erhöhten Komplexität und einem erweiterten Wortschatz in ihrer Sprache berichteten. Diese Erkenntnis ist wiederum besonders wertvoll für die Fremdsprachendidaktik, da sie einerseits Aufschluss bringt in welchen Situationen man mit welchen Lernmethoden ansetzen kann und andererseits unterstreicht, dass es keinen „Cheat-Code“ für den Spracherwerb gibt, sondern ein gemischter Ansatz vonnöten ist, um alle Sprachkompetenzen bestmöglich zu fördern.

Was würden Sie Menschen raten, die eine Fremdsprache lernen möchten? Können Videospiele dabei wirklich helfen, und wenn ja, wie?

Ganz konkret würde ich raten Situationen zu suchen die Fremdsprache in authentischen, praxisbezogenen Kontexten anzuwenden. Das kann in einem Sprachkurs, in Gesprächen mit Muttersprachler:innen, oder eben auch im Kontext von Videospielen geschehen.

Oft geht es darum, sich selbst ein bisschen auszutricksen, einen Anlass zu schaffen, die Sprache zu sprechen und uns vergessen zu lassen, dass wir uns gerade in einer Lernsituation befinden. Besonders Spiele wie „Keep Talking and Nobody Explodes“, „Overcooked“ oder „Moving Out“ sind dabei sehr empfehlenswert, da die Kommunikation zwischen Spieler:innen im Vordergrund steht, und teils sogar zwingend notwendig ist, um ans Ziel zu gelangen. Die genannten Spiele arbeiten zusätzlich auch noch immer wieder mit Zeitdruck, was laut Studien tatsächlich förderlich in Bezug auf Sprachflüssigkeit sein kann.

Wenn die Kenntnisse noch sehr gering sind, wird es etwas schwieriger und man muss mit der Anwendung etwas kreativer werden, denn das, was in Videospielen (die nicht explizit für den Spracherwerb geschaffen wurden) fehlt, sind für unsere Kompetenz abgestimmte Lerninhalte, also grammatische Strukturen und Vokabular, sowie eine Feedback Schleife, die uns sagt, was wir sprachlich richtig oder falsch machen. In solchen Fällen können Videospiele trotzdem eine unterstützende Funktion einnehmen, müssen aber zuvor sprachlich angereichert werden.

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