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Donnerstag, 23.04.2026

Nachruf em.Univ.Prof. Dr. Alwin Frank Fill (1940–2026)

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermine Penz mit em. Univ.-Prof. Mag. Dr. Alwin Fill Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos ©Uni Graz/Tzivanopoulos

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermine Penz mit em. Univ.-Prof. Mag. Dr. Alwin Fill Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Die ökolinguistische Community und die Sprachwissenschaft haben ein wertvolles Mitglied und eine weit hörbare Stimme verloren, denn Alwin Fill ist am 8. April 2026 in Graz verstorben.

Alwin Fill studierte Anglistik und Klassische Philologie an der Universität Innsbruck. Danach arbeitete er als Postdoktorand am Institut für Anglistik in Innsbruck, wo er seine Habilitation abschloss, mit zwischenzeitlichen Auslandsaufenthalten am Queen’s College in Oxford und in Ann Arbor in den USA. 1980 wurde er als Professor für englische Sprachwissenschaft an die Universität Graz berufen, eine Stelle, die er bis zu seiner Emeritierung 2008 innehatte. Doch auch weit über seine Pensionierung hinaus forschte er weiter, nahm an Konferenzen teil und verfasste und veröffentlichte Bücher und Artikel. 

 

Während sich Alwin Fills frühe Forschung eher mit traditionellen Themen der Systemlinguistik beschäftigte, wie etwa die semantische Transparenz von Wortbildungen im Englischen und Deutschen (das Thema seiner Habilitationsschrift), verlagerte sich sein Schwerpunkt im Laufe der 1980er-Jahre auf die Makropragmatik und damit auf den Sprachgebrauch und die Auswirkungen von Sprache auf Individuen, Gesellschaft und Umwelt. Obwohl sich seine Forschung und insbesondere seine Lehre nicht auf einen bestimmten Bereich beschränken lassen und während seiner gesamten Karriere sehr breit gefächert blieben, ist Alwin Fill vor allem dafür bekannt, Ende der 1980er-Jahre die Ökolinguistik als Teilgebiet der Sprachwissenschaft etabliert zu haben. Seine ersten Ideen zur Beziehung zwischen Sprache und Ökologie legte er 1987 in dem Buch Wörter zu Pflugscharen dar. Doch von weit größerer Bedeutung war Ökolinguistik. Eine Einführung (erschienen 1993 auf Deutsch), da es sich dabei um die erste umfassende Einführung in die Ökolinguistik handelte. Er förderte das aufstrebende Fachgebiet durch die Organisation von Workshops und Symposien, die sich schnell den Ruf verschafften, eine Plattform für Linguist:innen (und Nicht-Linguist:innen) zu bieten, die von den vielfältigen Beziehungen zwischen Sprache und Ökologie fasziniert waren. Diese Veranstaltungen brachten Wissenschaftler:innen zusammen, die interessiert waren an der kritische Analyse von Diskursen über die Ausbeutung der Natur durch den Menschen, an der Erforschung der Beziehung zwischen benachteiligten Minderheitensprachen und dominanten Mehrheitssprachen in sprachlichen Ökosystemen und/oder an der Untersuchung, wie verschiedene Dimensionen von Zeichensystemen, anstatt als getrennte, unabhängig voneinander operierende Module zu fungieren, ständig miteinander interagieren, um die Homöostase auf allen Ebenen des Lebens aufrechtzuerhalten. Alwin Fills Konzeption der Ökolinguistik regte auch dazu an, die akademische Bühne ab und an zu verlassen und sich, in zumindest zurückhaltender Form, für politischen Aktivismus zu engagieren, für den Umweltschutz und Bemühungen, den menschlichen Beitrag zum Klimawandel sichtbar zu machen (und ihm entgegenzuwirken), und für sprachliche Vielfalt und den Schutz kleiner Sprachen. Seine fortwährenden Bemühungen, heterogene Ansätze unter dem Schirm der Ökolinguistik zu vereinen und das Fachgebiet so weit wie möglich zu definieren, werden vor allem in zwei grundlegenden Werken erkennbar, nämlich dem Ecolinguistics Reader. Language, Ecology and Environment (2001, gemeinsam herausgegeben mit Peter Mühlhäusler) und im Routledge Handbook of Ecolinguistics (2017, gemeinsam herausgegeben mit Hermine Penz).

 

Alwin Fill liebte Sprache und Linguistik, weil er glaubte, dass sie Freude (Ästhetik) bereiten und es uns ermöglichen, Gutes zu tun (Ethik). Das höchste Ziel seines akademischen Wirkens war für ihn, diese Liebe mit einem möglichst breiten Publikum zu teilen. Deshalb legte er in seiner Lehre, in seinen Vorträgen und in seinen Publikationen stets großen Wert darauf, Interesse in Menschen zu wecken und sie zum Staunen und Nachdenken zu bringen, dabei aber immer verständlich und relevant zu bleiben – eine Eigenschaft, die von Generationen von Studierenden hochgeschätzt wurde. Vor allem nach seiner Pensionierung versuchte er, der Linguistik auch eine stärker populärwissenschaftliche Dimension zu verleihen, indem er mehrere Bücher veröffentlichte, die sich an eine breitere Leserschaft richteten. 

 

Alwin Fill war nicht nur ein höchst origineller und produktiver Wissenschaftler, sondern er war auch für seine Liebe zur Musik bekannt; er war Sänger, Pianist, Geiger, Organist und Komponist. Er schrieb sogar eine Messe, die vor nicht allzu langer Zeit in Graz uraufgeführt wurde. 

 

Er wird uns als menschlich sanftmütiger und freundlicher und intellektuell großzügiger und unterstützender Kollege, Freund und Mentor in Erinnerung bleiben, dem es gelang, seine vielen Interessen und Talente im Geiste des Friedens und der harmonischen Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mensch und Sprache und zwischen Mensch und nicht-menschlicher Mitwelt zu vereinen.

 

Die Erinnerung an Alwin Fill wird uns weiter begleiten, in unserem akademischen und nicht-akademischen Denken, Streben und Wirken. Wir werden versuchen, in seine großen Fußstapfen zu treten, gleichzeitig aber unseren ökologischen Fußabdruck klein zu halten, damit sein Werk, seine Ideen und seine Energie nachhaltig weiterleben.

 

Hermine Penz und Georg Marko (Institut für Anglistik, Universität Graz)

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